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3 : 5 – Unglückliche Niederlage in Sendenhorst Drucken
Geschrieben von: Dr. Karl Steiner   
Dienstag, den 06. Oktober 2009 um 10:19 Uhr

Zum Saisonauftakt stand gleich eine weite Reise (ca. 110 km) zum Auswärtsmatch nach Sendenhorst, jenseits von Münster, fast schon in der Nähe von Hamm, auf dem Programm.

 

Leider mussten wir einige Stammspieler vorgeben; allen voran Frank Böing, der zu diesem Zeitpunkt im Krankenhaus lag und ohne den das Auftreten des Bocholter Schachclubs sicherlich an Gewicht verliert. Außerdem fehlten in der Grundaufstellung Carsten Liesmann und Wilhelm Tepasse. Aber auch die Mannschaft von Sendenhorst trat nicht in der stärksten möglichen Besetzung an.

 

Den einzigen vollen Punkt konnte am ersten Brett Martin Fuest einfahren. Sein Gegner Christian Völker kannte zwar die moderne Theorie in der Skandinavischen Verteidigung (1. e4 d5 2. exd5 Dxd5 3. Sc3 Dd6!?), fand aber gegen Martins druckvolles positionelles Spiel kein Gegenmittel. Unbeirrbar und ohne sich etwa durch ein Telefonat ablenken zu lassen, baute unser Spitzenmann seinen Eröffnungsvorteil zum Sieg aus.

Damit war die Bocholter Erfolgsgeschichte aber auch schon beendet. Am zweiten Brett hatte Hans Stanik mit Schwarz in der ungewöhnlichen Nimzowitsch-Verteidigung (1. e4 Sc6!? 2. d4 d5!) zwar keine Probleme, sein solides und umsichtiges Spiel reichte aber nur zum Unentschieden.

Sehr turbulent dagegen verlief die Partie unseres regierenden Stadtmeisters Stephan Robeling am dritten Brett. Nachdem sein Gegner in einem Angenommenen Damengambit frühzeitig Lf5 spielte, konnte Robel nach Db3 einen schwarzen Bauern auf b7 verspeisen, der ihm aber nicht so recht bekommen sollte. Er geriet schwer unter Druck, nach Abwehr verschiedener Drohungen gegen seinen König schien er aber kurzzeitig auf Gewinn zu stehen. Möglicherweise hatte ihn die Verteidigung bereits zu viel Nerven gekostet, denn nach einigen beiderseitigen Ungenauigkeiten fand er sich in einem schwierigen Läuferendspiel wieder, in dem er den Remisweg verfehlte.

Am vierten Brett stand Karl Steiner gegen den unorthodox spielenden Jürgen Grawunder (1. b4?!) eine Zeit lang optisch vielversprechend, fand aber keinen Gewinnweg und musste sich angesichts scharfen Gegenspiels seines Kontrahenten und drohender Zeitnot in ein Dauerschach flüchten.

Schade um die Partie an Brett fünf, wo Sebastian Hunhoff seinen Gegner mit den weißen Steinen konsequent überspielte, nach der Zeitnotphase aber plötzlich eine Figur weniger hatte und aufgeben musste. Wie ist das geschehen?

Ähnliches ereignete sich am sechsten Brett, wo Routinier Wüsti in einer Art Sizilianer gegen die weißen Bauern auf e4 und c4 zunächst passiv stand, dann aber immer die richtigen Züge fand und schließlich eine klar überlegene Stellung am Brett hatte, die er mit einem taktischen Schlag zum Sieg führen wollte. Dabei hatte seine entscheidende Kombination aber leider ein großes Loch, einen „Krater“ sozusagen, in dem ein ungedeckter Turm verschwand. Dumm gelaufen, kann passieren!

Grundsolide spielte Ersatzmann Ludger Priebs am siebten Brett, der mit Weiß in keiner Phase der Partie in Schwierigkeiten geriet. Vielleicht fehlt ihm aber der letzte Biss, denn als sein Gegner ihm Remis anbot, konsultierte er sogleich den Mannschaftsführer und willigte mit Mehrbauer und besserer Position in die Punkteteilung ein. Nachher sah man ihn noch lange die womöglich doch gewonnene Schlußstellung analysieren….

Gar nicht grundsolide dagegen die Ereignisse am achten Brett, wo unser zweiter Ersatzspieler, der unberechenbare Andreas Hunhoff, die Holländische Verteidigung neu interpretierte und dabei einen anscheinend kaputten Aufbau wählte. Als man auf seine Stellung kaum mehr einen Pfifferling verwettet hätte, zeigte er erst sein wahres Potential und spielte seinen Gegner dynamisch und eindrucksvoll an die Wand. Als schließlich der Gewinn nur noch eine formale Frage der Technik zu sein schien, verließ ihn die Orientierung am Brett aber wieder, er zögerte und konnte durch die Randstellung seines Springers das materielle Übergewicht nicht verwerten. Der Gegner war ihm ins Remis entkommen!

Insgesamt also ein etwas unglücklicher Wettkampf, in dem vor allem am 5. und 6. Brett volle Punkte schmerzhaft hergeschenkt wurden. Es scheint so, als ob es auch in dieser Saison in erster Linie gegen den Abstieg gehen wird, mit einer Vorentscheidung schon im kommenden Match gegen Ahaus.